Die Weide

Der Holzratgeber · Die Wälder

Baumporträt

Die Weide

Charakteristische hängende Zweige, eine unaufhaltsame Wuchskraft und eine Liebe zum Wasser. Und ein Stoff in ihrer Rinde, der die Medizin veränderte.

  • Salix spp.
  • 2 bis 3 Meter im Jahr
  • Salicin → Aspirin
Salix
Zusammengefasst

Die Weide kurz gefasst

Einer der malerischsten Bäume unserer Landschaft, und zugleich einer der nützlichsten — ökologisch, handwerklich und medizinisch.

Die Weide wächst außergewöhnlich schnell: zwei bis drei Meter im Jahr sind normal, und sie erreicht fünfzehn bis fünfundzwanzig Meter. Ihr weit ausgedehntes Wurzelwerk macht sie zur natürlichen Wasserwirtin: es festigt Ufer, hält Erde fest und nimmt große Mengen Wasser auf.

Und sie ist fast nicht kaputtzukriegen. Ein abgebrochener Zweig, der in feuchtem Boden landet, schlägt Wurzeln und wird ein neuer Baum. Genau deshalb steht sie überall an Gräben und Bächen — oft ohne dass sie jemand dort gepflanzt hätte.

Von der Weidenrinde zum Aspirin

Die Rinde der Weide enthält Salicin, das der Körper in Salicylsäure umwandelt. Schon in der Antike kauten Menschen Weidenrinde gegen Schmerz und Fieber. Im neunzehnten Jahrhundert isolierten Chemiker den Wirkstoff und machten daraus Acetylsalicylsäure — Aspirin. Der Name Salix steckt bis heute im Wort Salicylsäure.

Botanisch
Salix spp.
Lebensdauer
50 bis 100 Jahre
Höhe
15 bis 25 Meter
Wuchsgeschwindigkeit
sehr schnell: 2 bis 3 m im Jahr
Blätter
lang und schmal
Zweige
biegsam, oft hängend

Seien wir ehrlich: diese Wuchskraft ist auch das Problem. Weidenwurzeln suchen Wasser und dringen in Kanalisation, Drainagen und Klärgruben ein; die Zweige brechen bei Sturm leicht; und eine Weide zu nah am Haus ist ein Baum, an dem Sie binnen zehn Jahren dauernd schneiden. Pflanzen Sie sie mit Abstand, oder pflanzen Sie sie nicht.

Erkennen

Merkmale auf einen Blick

WeideSalix
Merkmal Beschreibung
Lebensdauer 50 bis 100 Jahre
Höhe 15 bis 25 Meter
Wuchsgeschwindigkeit Sehr schnell — 2 bis 3 Meter im Jahr
Blätter Lang und schmal, oft silbrig an der Unterseite
Rinde Tief gefurcht bei älteren Bäumen
Zweige Biegsam, bei vielen Arten hängend
Blüte Weiche Kätzchen, sehr früh im Frühjahr
Die erste Nahrung des Jahres

Weidenkätzchen blühen vor fast allem anderen, manchmal schon im Februar. Für Bienen und Hummeln, die gerade aus dem Winter kommen, sind sie eine der ersten Pollen- und Nektarquellen — ein Grund, Weiden an Ackerrändern stehen zu lassen.

Kulturlandschaft

Warum es Kopfweiden gibt

Die Kopfweide ist keine Baumart, sondern eine Bewirtschaftungsform. Indem Sie die Krone alle paar Jahre vollständig abnehmen, zwingen Sie den Baum jedes Mal, neue, gerade Ruten zu bilden — und diese Ruten waren jahrhundertelang Rohstoff.

Flechtwerk

Gerade einjährige Weidenruten sind biegsam und fest: Körbe, Reusen, Zäune und sogar die Wände von Fachwerkhäusern.

Bindematerial

Bevor es Bindegarn gab, band man mit Weidenruten — im Weinbau, im Obstbau und beim Reetdecken.

Brennholz

Schnell nachwachsend und damit eine erneuerbare Quelle nahe am Haus, auch wenn Weide nur mäßig brennt.

Landschaft

Reihen von Kopfweiden sind typisch für die flämische und niederländische Landschaft. Ohne Pflege reißen sie mit der Zeit unter ihrem eigenen Gewicht auf.

Kopfschnitt ist Pflege, keine Misshandlung

Eine Kopfweide, die nicht mehr geschnitten wird, wächst weiter, bis die schweren Äste den hohlen Stamm aufspalten. Wer eine alte Kopfweide im Garten hat, muss sie alle drei bis sechs Jahre abnehmen — gerade um sie am Leben zu halten.

Vom Baum zum Brett

Was die Weide liefert

Leicht und weich

Eine der leichtesten heimischen Laubholzarten, weich und faserig. Sie splittert nicht schnell, was sie für Werkzeugteile und Spielzeug geeignet macht.

Cricketschläger

Die weltweit bekannteste Anwendung: Salix alba var. caerulea liefert das Holz für Cricketschläger, wegen seiner Verbindung von Leichtigkeit und Schlagfestigkeit.

Flechtwerk

Nicht das Holz, sondern die einjährigen Ruten — biegsam, fest und jährlich zu ernten.

Nicht dauerhaft

Über dem Boden hält Weidenholz nur wenige Jahre. Für Gartenmöbel oder Konstruktion kommt es nicht infrage.

Lebende Weidenkonstruktionen

Weil frische Weidenzweige in feuchtem Boden wurzeln, können Sie mit Weide bauen, was weiterwächst: lebende Tunnel, Hütten und Schirme. Stecken Sie die Zweige im Frühjahr dreißig Zentimeter tief in feuchten Boden und sie treiben von selbst aus.

Schnelle Antwort

Häufige Fragen zur Weide

Wie schnell wächst eine Weide?

Zwei bis drei Meter im Jahr sind normal. Damit ist sie einer der am schnellsten wachsenden Bäume unserer Regionen — und damit auch ein Baum, den Sie mit Abstand zu Gebäuden und Leitungen setzen müssen.

Stimmt es, dass Aspirin von Weidenrinde kommt?

Im Ursprung schon. Weidenrinde enthält Salicin, das der Körper in Salicylsäure umwandelt. Chemiker isolierten das im neunzehnten Jahrhundert und machten daraus Acetylsalicylsäure — Aspirin.

Warum werden Weiden geköpft?

Um immer wieder neue gerade Ruten für Flecht- und Bindearbeiten zu ernten, und um zu verhindern, dass die schwere Krone den hohlen Stamm aufspaltet. Eine Kopfweide muss alle drei bis sechs Jahre abgenommen werden.

Kann Weidenholz draußen verwendet werden?

Kaum. Es ist weich und nicht dauerhaft. Für Außenarbeiten schauen Sie zu Eiche, Robinie oder imprägniertes Holz.

Weiter im Holzratgeber

Die Weide im Verhältnis

Biegt sich, aber bricht nicht — und wächst wieder an, wo sie doch brach.

Eine Frage zu Ihrem Projekt? Stellen Sie sie ruhig — wir denken gerne mit.